01/02/2026
Eine Lesung zu moderieren ist für mich eine der schönsten, aber auch schwierigsten Aufgaben im kleinodd-Kosmos.
Ich war noch nie die Rampensau. Die Angst vor unangenehm langer Stille, belanglosen Fragen und Versprechern wird kurz richtig groß, wenn ich mich auf meinen Platz neben der Autorin oder den Autor setze. Ich muss mich pedantisch gut vorbereiten, weil mir vor Nervosität oft spontan keine Fragen einfallen oder ich mich nur schwer auf das Gesagte konzentrieren kann.
Dass die Moderation von Veranstaltungen in meinen Aufgabenbereich fallen würde, hatte ich bei meinem Businessplan nicht auf dem Schirm. Es fordert mich enorm heraus, lockt mich aus der Komfortzone und gleichzeitig fühle ich mich unglaublich geehrt, neben solch klugen, wortgewandten und unterhaltsamen Menschen zu sitzen und ihnen MEINE Fragen stellen zu dürfen.
Wenn ich eine Lesung vorbereite, lese ich anders. Die thematisierten Bücher sehen dann noch schlimmer aus als alles, was ich sonst lese. Ich markiere, knicke, unterstreiche, kritzele wie wild. Ich blättere zum Glossar (was ich sonst fast nie tue), lese hin und her, um Wiederkehrendes zu entdecken, krame in meinen zwei Semestern Literaturwissenschaft und dann, plötzlich, purzeln die Fragen aus mir und dem Buch heraus.
Als mir zwei Tage vor der Lesung beiläufig schrieb, dass ein Gespräch zwischen uns für die Zuhörer*innen am interessantesten sei, lag ich bis tief in die Nacht wach, um "Alle_Zeit" nochmal zu durchkämmen. Beim vorbereitenden Telefonat mit konnte ich die Protagonistin aus "Haus aus Wind" noch ein Stückchen mehr ins Herz schließen. Trotzdem fiel mir erst nach der Lesung auf, dass ihr Kuscheltier ein Hamster und kein Teddy war.
Vor der Lesung mit hatte ich richtig Respekt. Wer ihn kennt, weiß um seine Direktheit und provokante Art. Er hat dann zum Glück nur unseren Autorensessel durchlöchert, nicht mich. Am vergangenen Mittwoch konnte ich bei der Lesung von "Machen macht Mut" wieder erleben, dass Autor*innen immer mitreißen, egal welche Fragen man stellt. Und dass sich Mutigsein lohnt, wenn man moderiert. Und überhaupt und sowieso - immer!