12/06/2026
Ab einem gewissen Alter – sagen wir mal, ab 35, also dem Moment, in dem man sich beim Aufstehen anhört wie ein ganzer Wald voller knarrender Dielen – fängt man an, Selbstgespräche zu führen. Und zwar nicht so, wie man das früher gemacht hat, als man sich beim Zocken selbst beschimpft hat. Nein, das sind jetzt strategische Konferenzen. Mit mir. Nur ich.
„Yippieh, Wochenende!“, sage ich zu meinem Spiegelbild, das mich mit einem Blick ansieht, der sagt: „Spar dir die Begeisterung, wir müssen gleich noch die Heizung entlüften.“
„Ab in den Biergarten!“, rufe ich und ziehe optimistisch die Jacke an.
„Moment mal“, grätscht mein innerer Pessimist dazwischen. „Guck mal aus dem Fenster. Das sieht verdächtig nach Weltuntergang aus. Es soll regnen. Bleib auf der Couch. Glotze an, Decke drüber, Lebenserwartung steigern.“
Ich checke die App. Die App sagt: „Ist nur Sprühregen.“ Sprühregen. Das Wort allein ist schon eine Beleidigung für die Meteorologie. Aber dann siegt der Magen: Alleine zu Hause ist öde. Und im Biergarten gibt es Pommes. Und Burger. Und Bier vom Fass! Das ist im Grunde ein komplettes Versorgungssystem für gestrandete Seelen. Außerdem: Ein Dach ist vorhanden. Ein Dach! Was will man mehr vom Leben?
Ich entscheide mich für das Risiko. Ein bisschen Sprühregen bringt mich nicht um, aber Hunger, der ist tödlich. Also: Auf in den Kampf. Ab zu Tusch im Busch! Wenn ich untergehe, dann wenigstens mit einem Cheeseburger in der Hand und einem kühlen Bier in Reichweite. Man wird ja nicht jünger, man wird nur durstiger.
Heute 15 Uhr Start ins Wochenende nicht verpassen!