11/12/2013
Wie beim Italiener
Original italienische Pizzen, die aus dem Automaten kommen:
Roberto Fossi hat diese Geschäftsidee verwirklicht.
Kleinere Gemeinden bis 15.000 Einwohner,
Schwimmbäder, Kasernen,
U-Bahnstationen und Universitätsgelände
– ein Einzelhändler würde hier
wohl nicht unbedingt vom idealen
Standort sprechen. Roberto Fossi,
Geschäftsführer von MVE aus Deizisau,
sieht das anders: Denn für seine
Pizzaautomaten „Piz.top“ sucht er gerade
solche Standorte, an denen zwar
reger Publikumsverkehr herrscht,
aber in gastronomischer Hinsicht eher
wenig los ist – schon gar nicht nachts:
„Der große Wettbewerbsvorteil für
den Betreiber ist ja, dass man am Automaten
wirklich rund um die Uhr eine
frische Pizza kaufen kann. Und das,
ohne zusätzliches Personal.“
Um die technische Wartung kümmert
sich Fossi als gelernter Verfahrenstechniker
selbst: „Deshalb sind alle
Piz.Top-Automaten mit GPS ausgestattet.“
Ansonsten übernimmt der jeweilige
Betreiber die Bestückung: „Die tiefgekühlten
Pizzen kann er bei uns bestellen.
Sie werden aus Italien geliefert.“
Wer möchte und ohnehin schon ein
Restaurant betreibt, kann die Automaten
auch mit eigenen Produkten
bestücken und so seinen Kunden einen
zusätzlichen 24-Stunden-Service
bieten: „Viele merken aber, dass dies
aufwendig ist und bestellen lieber bei
uns.“
Ausgeklügeltes System
Die Idee zum Pizzaautomaten hatte
der Italiener Aldo Leali – selbst Pizzabäcker
und Produzent von Tiefkühlpizzen.
Roberto Fossi entwickelte
seinen Automaten weiter. Nach dem
ersten Prototypen folgten zwei weitere
Varianten, bis Fossi wirklich zufrieden
war. „Die dritte Version ist
perfekt“, sagt er. „Der Automat weiß
sogar, dass er, wenn mehrere Pizzen
hintereinander gebacken werden, die
Temperatur entsprechend reduzieren
muss, damit alle schön gleichmäßig
und nicht zu dunkel werden.“
Jeder Piz.top-Automat enthält zwei
Kälte-Kammern, in denen bis zu 84
Pizzen gelagert werden können. Gebacken
werden sie in selbstreinigenden
Öfen – und das in meist weniger
als zwei Minuten. „Das hängt
davon ab, welche Pizzasorte der Kunde
wählt“, erklärt Fossi. „Pizza Margherita
geht schneller als beispielsweise
Pizza Salami.“ Mit welchen Sorten
der Betreiber seinen Automaten
bestückt, ist ihm überlassen – das
Spektrum reicht von klassischen und
vegetarischen Pizzen bis hin zu einer
Variante mit Würstchen.
Gute Standorte finden
„Das wichtigste ist der Standort“, sagt
Fossi. „Davon hängt ab, wie erfolgreich
der Betreiber ist.“ Der Automat
kann gekauft oder geleast werden –
am liebsten ist es ihm, wenn der Kunde
nicht nur einen Piz.top-Automaten
bei ihm bestellt, sondern gleich noch
Getränke- und Pommesautomaten,
die er ebenfalls vertreibt.
Besonders erfolgreich ist der Pizza-
Automat in Bayern, erzählt Fossi. „Da
haben die Leute offensichtlich am
meisten Geld.“ Inzwischen ist der Piz.
top auch in vielen weiteren Ländern
vertreten wie der Schweiz, Belgien,
Unternehmensinformation
Piz.Top ist ein Pizzaautomat, der in
weniger als zwei Minuten ofenfrische
Pizza bäckt. Vertrieben werden die
Geräte von Roberto Fossi, MVE
(Machine Vending Engineering)
Deutschland. Mehr Infos unter
www.piztop.de.
Norwegen, Russland und Mexiko.
Da der Außer-Haus-Verkehr immer
weiter zunimmt, sieht der Unternehmer
noch viel Potenzial – zumal Pizza
zu den meistgekauften Fast-Food-
Produkten gehört. Außerdem sind
die Einsatzmöglichkeiten sehr vielfältig:
Ob an Flughäfen, Bahnhöfen, in
Freizeitparks, Kinos, vor oder im Geschäft,
auf dem Fabrikgelände oder
in der Volkshochschule: Ein Pizzaautomat
lässt sich nahezu überall
dort platzieren, wo Bedarf nach Convenience-
Produkten herrscht. „Wer
möchte, kann ihn natürlich auch im
Büro für die Mitarbeiter aufstellen“,
sagt der Italiener. „Da gibt es keine
Grenzen.“
Erste Verkostungsaktionen
Da die Pizzen aus dem Automaten
noch relativ neu sind (2008 hat Fossi
mit dem Vertrieb begonnen), musste
er zunächst Überzeugungsarbeit
leisten: „Wir haben Verkostungsaktionen
gemacht, denn nur wenn man
die Pizza probiert hat, weiß man, dass
sie auch schmeckt.“ Wie in der Pizzeria
hat sie einen Durchmesser von 28
Zentimeter und wird im Pappkarton
ausgegeben. Der Verkaufspreis liegt
zwischen vier und fünf Euro.
Um seine Automaten bekannter zu
machen und neue Betreiber zu gewinnen,
hat Fossi 2011 auf den Gastronomiemessen
Hoga und Internorga
ausgestellt. „Seither erhalten wir viele
Anfragen und die Interessenten kommen
von sich aus auf uns zu.“
Von Vorteil ist, wenn der Betreiber bereits
gastronomische Erfahrung mitbringt:
„Quereinsteiger tun sich meistens
schwerer“, sagt Fossi. „Aber
natürlich werden die Betreiber auch
von uns geschult und wir machen mit
ihnen Einführungsaktionen.“
Da die Ziele und Ideen oft unterschiedlich
sind, spricht Fossi mit jedem
Interessenten zunächst ausführlich
über sein Vorhaben: „Es kommt
immer darauf an, was für ein Konzept
jemand hat. Darin versuchen wir ihn
dann zu unterstützen.“