10/08/2026
Auch unser gesamtes Team und unsere Gäste waren in den vergangenen Wochen zunehmend mit diesem schrecklichen Thema konfrontiert.
Die Zahl der Menschen, die diesen wunderschönen Ort als ihren letzten Ort auf Erden wählen, steigt rapide an.
Der jüngste Sprung ereignete sich gestern Abend gegen 22 Uhr – in einem zu diesem Zeitpunkt noch gut besuchten Park. Viele Menschen, die diesen Moment miterleben mussten, werden die Bilder vermutlich nie wieder vergessen können.
Wir fragen uns: Was muss noch Schlimmes passieren, bevor endlich gehandelt wird und die Menschen hier geschützt werden?
Dieser Ort sollte ein Ort der Begegnung, der Erholung und des Lebens sein – und kein Ort, an dem Menschen ihr Leben verlieren.
Offener Brief an die Oberbürgermeister der Städte Solingen und Remscheid
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister der Stadt Solingen, Daniel Flemm,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister der Stadt Remscheid, Sven Wolf .
Sowie an die Verantwortlichen der Deutschen Bahn AG.
Betreff: Dringender Handlungsbedarf bei der Suizidprävention an der Müngstener Brücke – Schutz von Menschenleben, Besuchern und Augenzeugen
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Flemm,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Wolf,
ich wende mich mit diesem offenen Brief an Sie, weil die Situation an der Müngstener Brücke ein Ausmaß erreicht hat, das ein unmittelbares und entschlossenes Handeln der Städte Solingen und Remscheid sowie der Deutschen Bahn erfordert.
Laut Angaben der Bahn ist die installierte Lichtschrankenanlage in Betrieb und funktionsfähig. Die Realität vor Ort zeigt jedoch ein erschütterndes Bild: Die Maßnahme verfehlt ihre Wirkung. Seit der Inbetriebnahme verzeichnen wir weiterhin tödliche Vorfälle:
Sonntag, 09.08.2026: Am frühen Morgen musste ich persönlich den Leichnam einer Person unter der Brücke auffinden. Am selben Abend sprang eine weitere Person.
Dienstag, 28.07.2026: Ein weiterer tödlicher Sprung von der Brücke.
Insgesamt sind seit der Inbetriebnahme der Anlage mindestens vier Menschen von der Brücke gesprungen. Die bisherige Technik bietet offensichtlich keinen ausreichenden Schutz.
Die unermessliche Belastung für Augenzeugen und Besucher.
Neben dem tragischen Verlust von Menschenleben gibt es eine weitere Dimension, die nicht länger ignoriert werden darf: das schwere Trauma der Augenzeugen.
Der Brückenpark ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien, Spaziergänger und Senioren. Immer wieder müssen Menschen – darunter kleine Kinder, Familien und ältere Personen – hautnah mitansehen, wie sich ein Mensch von der Brücke stürzt, oder sie werden direkt mit den Folgen konfrontiert.
Wer so etwas miterleben muss, trägt nicht selten ein Leben lang schwerste psychische Narben und Traumata davon.
Zudem besteht eine direkte physische Gefahr: Nur wenige Stunden nach dem Fund des Leichnams am 09.08. breiteten ahnungslose Besucher an genau derselben Stelle ihre Picknickdecken aus. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis durch herabstürzende Personen Unbeteiligte am Boden direkt körperlich zu Schaden kommen.
Vor dem Hintergrund von Kürzungen im psychotherapeutischen Bereich durch aktuelle Reformen im Gesundheitswesen ist zudem zu befürchten, dass sich die Lage für psychisch kranke Menschen weiter zuzuspitzen droht, somit dürften die Suizidzahlen steigen.
Meine Fragen und Forderungen an Sie:
Welchen konkreten Plan haben die Städte Solingen und Remscheid gemeinsam mit der Deutschen Bahn, um die Müngstener Brücke endlich effektiv baulich abzusichern?
Wie soll sichergestellt werden, dass der Parkbereich unter der Brücke für Besucher, Familien und Passanten vor physischen Gefahren und traumatischen Erlebnissen geschützt wird?
Welche Sofortmaßnahmen werden ergriffen, da die bisherige Lichtschrankenanlage nachweislich keine Schutzwirkung entfaltet?
Wir dürfen hier nicht länger wegsehen.
Es geht um den Schutz von Menschen in seelischen Notlagen – aber genauso um den Schutz der Bevölkerung, der Kinder und der Besucher, die im Brückenpark Sicherheit erwarten dürfen.
Ich bitte Sie eindringlich um eine öffentliche Stellungnahme und das Aufzeigen konkreter Lösungswege.
Mit freundlichen Grüßen ein besorgter
Stefan Böhm
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