15/11/2012
Martinimarkt-Premiere: Echter Kaviar auf gebuttertem Weißbrot. Der Kaviarproduzent Roland Schröder (4.v.l.) und seine Gattin Daniela (rechts daneben), Inhaber der Fischzucht Zippelsförde bei Neuruppin, luden einige Aktionäre zu einem Kaviar-Imbiss ein.
Unternehmer Roland Schröder, Präsident und Aktionärssprecher der International Caviar Corporation (ICC) mit Hauptsitz in Bukarest, und seine Frau Daniela, die in Nottuln wohnt, sind immer am Ball, neue Vertriebswege für „ihren“ Kavier zu finden. Das Konzept von Holger Rosenboom, auf Märkten exquisite Fischspeisen anzubieten, fand Roland Schröder sehr interessant. Man kam ins Gespräch und wurde sich schnell einig: Der Mann von der Küste hat künftig echten Kaviar im Angebot, der aus ICC-Zuchtanlagen in Brandenburg und Bayern stammt.
Seit nunmehr rund zwölf Jahren beschäftigt sich der ehemalige Aral-Manager, der für das Rumäniengeschäft zuständig war, intensiv mit Stören und Kaviar. Und das auf dreierlei Art:
Zum einen als Liebhaber des Kaviars, den er bei Geschäftsessen in Osteuropa schätzen gelernt hat.
Dann als Artenschützer. 1999 wurde die rumänische „Euro Sturio – Gesellschaft zur Rettung der Donau-Störe“ gegründet. In den vergangen Jahren wurden im Rahmen mehrerer Aktionen Hunderttausende von befruchteten Störeiern in der Donau erfolgreich ausgesetzt. Die Zucht von Stören für die Kaviarproduktion hilft aber auch in anderer Hinsicht. „Das ist eine echte Alternative zum Wildfang und setzt die illegale Überfischung unter Druck“, sagt Roland Schröder, der auch enge Kontakte zur UN-Artenschutzkommission hält.
Und drittens: Der 56-Jährige ist Geschäftsmann. Mit Kaviar lässt sich Geld verdienen. Für den sogenannten „Goldenen Zaren Kaviar“, der vom Albino-Sterlet stammt, würden Liebhaber in Russland bis zu 40000 Euro pro Kilogramm zahlen. „Wir führen gerade Gespräche mit renommierten Luxus-Hotels in Moskau über die Lieferung von Zaren-Kaviar“, verrät Roland Schröder.
Früher haftete dem Zucht-Kaviar das Image eines zweitklassigen Produkts an. Das ist heute anders. Dank der Zusammenarbeit mit dem Stör-Experten Gebhard Reichle wurde die Zucht von Stören optimiert. Erst vor Kurzem haben Roland und Daniela Schröder die Fischzucht Zippelsförde bei Neuruppin übernommen. Hier werden die Aufzuchtbecken vom Fluss Rhin gespeist, hier erleben die Tiere die Jahreszeiten. So aufgezogene Zuchtstöre, verrät Schröder, haben mindestens die gleiche oder sogar eine bessere Qualität als der Wildfang. Zwischen 30000 und 40000 Störe tummeln sich in den Aufzuchtbecken. In etwa drei bis vier Jahren sind die Tiere geschlechtsreif, können geschlachtet werden. Dann kommen die Fischeier als Kaviar auf den Markt.
Und der Rest? „Der Stör ist ein sehr geschmackvoller Speisefisch“, sagt Schröder, weshalb die ICC nicht nur den Kaviar, sondern auch den Stör als Speisefisch vermarktet. Wie lecker so ein Stör schmeckt, hat so mancher Martinimarkt-Gast schon kosten können. Eine Wiederholung in 2013 ist wahrscheinlich.
Foto: Anastasia Kapluggin