16/10/2026
Es ist nicht mehr kurz vor zwölf – für die Gastronomie hat die Uhr längst zwölf geschlagen!
Gerade gelesen … die deutsche Gastronomie steckt in einer Krise, aus der sie sich aus eigener Kraft kaum noch befreien kann. Und wer glaubt, mit sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen seien die Probleme gelöst, der hat die Rechnung ohne die Realität gemacht.
Unterm Strich sind es einfach zu viele Probleme geworden. Steigende Personalkosten, explodierende Betriebskosten, hohe Mieten, immer mehr Bürokratie, fehlende Fachkräfte und Gäste, die zunehmend auf ihr Geld achten müssen.
Eine Krise jagt die nächste. Und während die Politik noch über Entlastungen diskutiert, verschwinden jedes Jahr unter dem Strich rund 2.600 gastronomische Betriebe vom Markt. Mehr schließen, als neu eröffnen.
Besonders bitter: Bars, Kneipen, Clubs und Cafés trifft es besonders hart. Seit 2015 ist ihre Zahl um rund 20 Prozent zurückgegangen.
Und wer bezahlt am Ende die Zeche?
Der Gastronom und seine Gäste!
Eine Pizza für 12 Euro? Zu teuer! Ein Schnitzel für 25 Euro? Unverschämt! Ein Bier für 5 Euro? Da bleibt man lieber zu Hause!
Doch kaum jemand fragt sich, was beim Gastronomen tatsächlich hängen bleibt.
Personal, Wareneinsatz, Miete, Energie, Versicherungen, Gebühren, Reparaturen und immer neue gesetzliche Anforderungen fressen die Umsätze auf. Selbst gut besuchte Restaurants kämpfen inzwischen um vernünftige Renditen.
Und die Gäste? Die kommen zwar noch, aber sie bestellen anders. Eine Vorspeise weniger, kein Dessert, vielleicht nur noch ein Getränk. Aus zweimal Essen gehen wird einmal. Und aus dem spontanen Restaurantbesuch wird zunehmend eine bewusste finanzielle Entscheidung.
Das eigentliche Problem ist aber noch viel größer.
Wir erleben nicht nur eine wirtschaftliche Krise, sondern einen grundlegenden Strukturwandel unserer Gastronomielandschaft.
Das klassische Restaurant mit großer Speisekarte, umfangreichem Servicepersonal, Mittagstisch und Abendgeschäft gerät immer stärker unter Druck. Die Kosten laufen sieben Tage die Woche, aber die Tische sind längst nicht mehr jeden Tag voll besetzt.
Viele Gastronomen arbeiten inzwischen mehr, verdienen weniger und fragen sich, wie lange sie das überhaupt noch durchhalten können.
Natürlich muss sich auch die Branche selbst hinterfragen. Nicht jedes gastronomische Konzept ist noch zeitgemäß. Digitalisierung, kleinere Speisekarten, effizientere Arbeitsabläufe, angepasste Öffnungszeiten und eine vernünftige betriebswirtschaftliche Kalkulation sind längst keine freiwilligen Zukunftsprojekte mehr, sondern überlebenswichtig.
Aber machen wir uns nichts vor: Man kann sich nicht aus jeder Kostensteigerung einfach herausoptimieren.
Wenn die Personalkosten in Richtung 40 oder 45 Prozent vom Umsatz marschieren, die Miete weiter steigt und die Gäste gleichzeitig weniger ausgeben, funktioniert irgendwann die schönste Kalkulation nicht mehr.
Und genau an diesem Punkt stehen inzwischen viele Betriebe.
Die Politik muss endlich verstehen, dass Gastronomie mehr ist als ein Wirtschaftszweig, der Essen und Getränke verkauft.
Restaurants, Kneipen und Cafés sind Treffpunkte, Arbeitgeber, Ausbildungsbetriebe und ein wichtiger Bestandteil unserer Innenstädte und Stadtteile. Wenn diese Orte verschwinden, verlieren unsere Städte ein Stück Lebensqualität.
Was wir brauchen, sind keine weiteren Sonntagsreden, sondern endlich Rahmenbedingungen, unter denen sich gastronomisches Unternehmertum wieder lohnt.
Weniger Bürokratie, bezahlbare Energie, flexiblere Arbeitszeitmodelle, einfachere Fachkräftegewinnung und vor allem eine spürbare Entlastung bei den Kosten.
Die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber sie allein wird weder die Gastronomie retten noch die Preise auf den Speisekarten wieder auf das Niveau früherer Jahre zurückbringen.
Unser Fazit vom Gastroportal Düsseldorf:
Wir beobachten seit Jahren, wie sich die gastronomische Landschaft verändert. Neue Konzepte eröffnen, traditionelle Betriebe verschwinden, Betreiber wechseln und immer häufiger stehen selbst gut gelegene Gastronomieflächen leer.
Natürlich gibt es weiterhin erfolgreiche Gastronomen, spannende Neueröffnungen und Unternehmer, die mit guten Ideen und viel Engagement ihren Weg gehen.
Aber diese Erfolgsgeschichten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die wirtschaftliche Basis vieler Betriebe zunehmend bröckelt.
Und wenn wir nicht aufpassen, bleiben irgendwann nur noch die großen Ketten, systematisierte Konzepte, Fast Food und einige wenige hochpreisige Restaurants übrig.
Die gastronomische Mitte, das klassische Restaurant um die Ecke, die kleine Kneipe und das inhabergeführte Café drohen auf der Strecke zu bleiben.
Das kann niemand ernsthaft wollen.
Es ist nicht mehr fünf vor zwölf. Es ist auch nicht mehr kurz vor zwölf.
Es ist längst zwölf und wenn sich nicht schnell etwas ändert, wird für viele Gastronomen endgültig Feierabend sein.
Wie seht ihr das? Ist unsere Gastronomie überhaupt noch zu retten, oder erleben wir gerade einen Strukturwandel, der sich nicht mehr aufhalten lässt?
Gastroportal Düsseldorf – wir schauen hin, wo andere wegsehen.