17/04/2022
Wir sind von unserer 4. Fahrt an die ukrainische Grenze zurück und möchten natürlich gerne unsere Eindrücke teilen:
Auch dieses mal wieder waren wir überwältigt von der Hilfsbereitschaft die uns entgegengebracht wurde. Es war die größte Menge an Hilfsgütern, die wir bisher transportiert haben: abgestimmt mit den Koordinatoren an der Grenze gezielt Bettwäsche, Handtücher, Schmerzmittel und Verbandmaterial. Das Auto war bis unter das Dach randvoll.
An der Grenze angekommen wurden wir bereits erwartet. Wir erfuhren, dass etwa 70 km östlich der Grenze, in der kleinen Stadt Horodok, eine Schule zu einem Lager für Kinder und Verletzte aus dem verheerenden Angriff auf den Bahnhof in Kramatorsk umgebaut wurde. Unsere mitgebrachten Güter würden umgehend dorthin verbracht und in der Zwischenzeit hören wir, dass sie bereits zwei Tage später, letzten Donnerstag, dort eingetroffen sind. Gezielter kann man wohl nicht helfen.
An der Grenze waren kaum noch Flüchtlinge zu sehen. Wir hörten, dass mehr Personen in Richtung Ukraine, zurück nach Hause unterwegs sind, als aus der Ukraine heraus Richtung Westen. Daher sind wir diesmal allein zurück gekommen.
Auf der Fahrt hat Viktoria mit einer ihrer Freundinnen telefoniert: sie wohnt in Tschernihiw, im Norden der Ukraine. Die Stadt war 8 Wochen lang belagert, unter Beschuss und es gab zeitweise weder Strom noch Wasser. Die Bevölkerung hat sich in Kellern versteckt. Nachdem die russischen Truppen abgezogen sind, wurde ihr Sohn, ein Zivilist, ermordet auf der Straße gefunden. Es fehlt an allem, vorrangig an Nahrungsmitteln, die Leute dort leiden Hunger. Die Koordinatoren an der Grenze, sowie Freunde und Verwandte von Viktoria haben umgehend gehandelt und Lebensmittelpakete gesendet die auch bereits eingetroffen sind.
Alle, mit denen wir sprechen haben Sorge von dem 9. Mai ( Tag des Sieges, Russlands beliebtester Feiertag ) und rechnen damit, dass bis dahin Erfolge präsentiert werden sollen.
An dieser Stelle möchten wir uns ganz ganz herzlich bei allen bedanken, die uns so großzügig unterstützt haben. Jede einzelne Hilfe zählt. Dennoch möchten wir besonders der Fa. TC Buckenmaier und Frau A. Halbritter danken.
Und noch etwas beschäftigt mich persönlich, und das muss ich hier los werden: zusammen mit Viktoria habe ich alles in unserer Macht stehende getan, um zu helfen, aus Überzeugung.
Auch war ich immer überzeugt, dass die ukrainische Führung richtig handelt und Respekt verdient.
Die Ansage des Präsidenten Selenskyi, dass unser Bundespräsident Steinmeier in der Ukraine nicht erwünscht sei, und die Beschimpfungen deutscher Politiker durch den ukrainischen Botschafter Melnyk in Berlin, sind für mich allerdings ein absolutes NO-GO. Da bin ich völlig kategorisch, und würde mir gleiches von unseren Politikern wünschen. Es gibt eine gewisse Etikette, die es einzuhalten gilt. Ich werde daher – ab sofort – alle Unterstützung einstellen. Viktoria hingegen wird sich weiter um die Ukrainer in Crailsheim und Umgebung kümmern, mehr aber auch nicht.
Noch einmal unser großer Dank an Alle, die geholfen haben, das große leid in der Ukraine zu lindern.