05/06/2026
Deutschland 2026 – Ein Erfahrungsbericht
Ich habe inzwischen gelernt, dass Fachkräftemangel eine sehr selektive Angelegenheit ist.
Wenn ich einen Zahnarzt brauche, heißt es:„Tut uns leid, wir nehmen keine neuen Patienten auf.“
Wenn ich eine neue Toilette einbauen lassen möchte:„Kein Problem. Wir melden uns.“Zwei Jahre später klingelt tatsächlich das Telefon.
Der Dachdecker wollte im Mai kommen.Er hat nur vergessen zu erwähnen, in welchem Jahr.
Der Maler hat eine Wartezeit von anderthalb Jahren.Der Hausmeisterservice mäht den Rasen wöchentlich – jedenfalls laut Vertrag.
Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass ausgerechnet wir Gastronomen die Einzigen sind, bei denen alles immer sofort funktionieren muss.
Der Gast kommt um 11:58 Uhr auf den Parkplatz und fragt:„Warum habt ihr noch nicht auf?“
Dass seit sieben Uhr morgens Kartoffeln geschält, Fisch vorbereitet, Soßen gekocht, Waren verräumt, Geräte gereinigt, Bestellungen geschrieben und tausend andere Dinge erledigt werden, sieht niemand.
Der Dachdecker darf sechs Monate später kommen.Der Maler anderthalb Jahre.Der Handwerker irgendwann zwischen Ostern und Weihnachten.Aber wehe, die Bratkartoffeln brauchen drei Minuten länger.
Manchmal frage ich mich, ob wir in zwei verschiedenen Ländern leben.
In dem einen herrscht Personalmangel, Fachkräftemangel, Zeitmangel und Überlastung.
Und in dem anderen sitzt der Gastronom.
Der soll immer freundlich sein.Immer verfügbar.Immer schnell.Immer günstig.Und selbstverständlich auch noch Verständnis dafür haben, dass alle anderen überlastet sind.
Vielleicht stimmt mit Deutschland gar nicht so viel nicht.
Vielleicht haben wir uns nur daran gewöhnt, dass manche Berufe Geduld verlangen – und andere Perfektion.
Und solange das so bleibt, wird der Dachdecker weiter auf sich warten lassen.
Der Fischbrötchenverkäufer aber bitte nicht.