Ein grosses Dankeschön dafür an Euch, liebe Gäste! Wir befinden uns in einer denkwürdigen Zeit – geprägt von Unsicherheit, Ängsten und gesellschaftlicher Spaltung. Wir haben immer noch mit den Auswirkungen der Covid-Krise zu kämpfen - das veränderte Ausgehverhalten der Gäste, aber auch finanziell mit der Rückzahlung der perfid verzinsten Covid-Kredite - da kommen neue Herausforderungen hinzu, die
zu einem weiteren Auseinanderdriften der Menschen beiträgt: die inzwischen spürbare Klimaveränderung, Generationen spaltende Genderdebatten und neue Kriege, die uns besonders bewegen und alte hässliche Seiten wie den Antisemitismus wieder aufblühen lassen. Mit zunehmender Egozentrik - jeder ist sich selber am allerwichtigsten und meint, die Wahrheit zu kennen - ziehen wir uns immer mehr in unser meinungssteriles Umfeld zurück - in absolutes schwarz-weiss-Denken - das Ende der Debatte und jeglichen Dialoges! Deshalb ist es umso wichtiger, sich zurückzubesinnen, den Austausch zu suchen und tolerant zu bleiben. Dass die Gastronomie dabei verbinden kann, wie auch Wein, Kunst und insbesondere Musik, ist uns bewusst und wir sehen mit einem gewissem Stolz darauf, dies im FLORE geschafft zu haben: Wir sind zu einem unverzichtbaren Ort im Quartier und zu einem wichtigen sozialen Knotenpunkt im Kleinbasel geworden! In der Tat ist die Vielfalt bei uns gross – sowohl was den sozialen und kulturellen Hintergrund betrifft, als auch das Alter, die Herkunft oder die Orientierung. Selbst wenn es vereinzelten Gästen offenbar gegen den Strich lief, ich selbst freue mich ob dieser Vielfalt und sehe es mit gewissem Stolz als eine wahre Bereicherung, diese im FLORE harmonisch und zugleich lebendig unter einem Dach zu sehen! Wir sprechen nicht von Diversität - wir leben sie! Bei all dem dürfen wir tatsächlich nicht vergessen, dass nichts selbstverständlich ist – diese neuen Verhältnisse zwingen uns dazu, gewisse Dinge zu überdenken, flexibel und offen zu bleiben, Bescheidenheit zu zeigen, alte Muster zu hinterfragen und daraus Positives und Konstruktives zu schöpfen, neue Wege zu gehen, und im besten Fall vielleicht mehr Sinn zu suchen in dem was wir machen. Auch wenn wir mit der neuen Getränkekarte einzelne Preisanpassungen vornehmen mussten, möchten wir immer noch beweisen, dass eine hohe Qualität der Produkte nicht im Widerspruch stehen muss zu fairen und möglichst niedrig gehaltenen Preisen. Eines unserer Ziele dabei ist nach wie vor nicht, den Gewinn zu maximieren, sondern vor allem den Spassfaktor bei den Gästen zurück in die Gastronomie zu bringen! Was nun den Wein betrifft, sind wir zu einer fast unumgänglichen Oase ausser- und ungewöhnlicher Tropfen im Basler, wenn nicht sogar Schweizer Gastroangebot geworden. Bei den zukünftigen ökologischen Herausforderungen und klimatischen Veränderungen, mit denen wir uns sowie die nächsten Generationen beschäftigen werden müssen, zeigt sich auch hier, dass wir mit der konsequenten Auswahl fast ausschliesslich biologischer oder biodynamischer Weine (und Produkte) nicht etwa einem Modetrend folgen, sondern klare Impulse und Zeichen setzen wollen und dies nach aussen hin auch überzeugt tun! Die abgelehnten Abstimmungen über CO2- sowie Pestizidinitiativen sind zwar frustrierend und niederschlagend und sie zeigen uns, dass der bequem situierte, konservative und offenbar blinde Teil der Gesellschaft immer noch die Mehrheit hat. Aber die simple Thematisierung der Problematik und die breite Zustimmung alternativer Ansätze zeigt auch, dass es in den nächsten Jahren einiges an Diskussionen, Umdenkprozessen und radikalen Veränderungen geben wird und muss! Auch dies lässt hoffen und bekräftigt uns im Wissen, mit unserer Philosophie bescheiden etwas Sinnvolles beizutragen. Bei all den grossen Worten ist es jedoch wichtig, nicht zu vergessen, dass unser Dasein ohne die Treue unserer lieben Gäste nicht möglich wäre und wir uns weiterhin darauf konzentrieren wollen, uns im Hinblick auf Qualität, Gastgebertum und Vielfalt in jeglicher Hinsicht noch mehr zu steigern. Wir stecken ja schliesslich fast immer noch in den Kinderschuhen! In diesem Sinne bedanke ich mich herzlichst für Euer Kommen, Eure Neugier und positive Energie und freue mich auf weitere spannende, fruchtbare und friedliche Momente mit Euch! Vive l’amitié ! Vive le fromage ! Santé, Euer Miron Landreau & Team
EINIGE WORTE...
zum Séparée
Im hinteren Teil der Räumlichkeiten steht Euch das Séparée mit seinem grossen Kirschholztisch zur Verfügung. Einerseits ist es permanent offen, andererseits kann es privatisiert und dezent abgetrennt werden für kleine Gruppen, für Geburtstage, Geschäftsapéros, Privatdegustationen oder Oenologiekurse. Infos & Konditionen geben wir gerne an der Bar oder unter 077 454 94 72. zur Kunst
Die Wandflächen im Séparée sind wechselnden Ausstellungen verschiedenster Kunstformen gewidmet. Bei Kaufinteresse meldet Euch an der Bar oder unter 077 454 94 72. Bei Ausstellungsinteresse stellt Euch gerne persönlich oder unter [email protected] vor. zu den Weinen
Wie man sieht, liegt der Schwerpunkt der Weinauswahl in Frankreich. Dies nicht etwa aus chauvinistischen Gründen, sondern weil es entgegen der geläufigen Meinung äusserst viele hervorragende, hochinteressante und dazu günstige Weine kleinerer Weinbauern in Frankreich gibt. Selbst in der Champagne und im preislich so verkannten Burgund gibt es zahlreiche Trouvaillen, die es zu probieren sich lohnt! Hinzu kommen qualitativ grandiose Weinregionen (und Traubensorten!), die selbst in Frankreich nicht allen bekannt sind und kleine sensorische Wunderwerke hervorbringen können! Selbstverständlich geben wir uns damit nicht zufrieden! Ebenfalls findet Ihr typische, sowie besondere und aussergewöhnliche Weine anderer Provenienzen: Italien, Schweiz, Deutschland und Österreich, aber auch einige wenige aus Israel, Südafrika, Spanien und Georgien. Wichtig bei der Auswahl ist nicht nur, dass sie örtliche Traditionen, Eigenheiten sowie das sogenannte Terroir respektieren, sondern dass sie einen eigenen Charakter besitzen und bei uns Emotionen auslösen! Eine Leidenschaft, die wir bei „mondialisierten“, designten und industriellen Weinen selten vorfinden. Diese Passion wollen wir anschliessend versuchen, an unsere Gäste weiterzugeben und mit ihnen zu teilen! Weine biodynamischer oder zumindest biologisch arbeitender Winzer sind in der Karte inzwischen Standard sowie eine der Grundbedingungen geworden, als neuer Wein überhaupt einen Platz darin zu finden. Die zukunftsweisenden (aber traditionell und ursprünglich arbeitenden) Winzer der sogenannten vins naturels (Naturweine) haben inzwischen ebenfalls einen wichtigen Platz bekommen, da die Bewegung in den letzten Jahren beachtliche Ergebnisse sowie eine deutliche allgemeine Qualitätssteigerung und somit -konstanz erzielt hat! Sie gehen noch einen Schritt weiter als in der Biodynamie und lassen dem Wein, so weit es geht, seinen "freien Lauf" mit möglichst wenigen Eingriffen. So werden z.B. nebst Spontanvergärung mit natürlichen Hefen sowie das Auslassen jedwelcher Schönung oder Filtrierung die zweifelhaften Sulfite nicht oder nur in homöopatischen Dosen zugesetzt. Dass diese Weine teilweise ein völlig anderes Weinerlebnis hervorrufen, ist eine der faszinierenden Seiten, die Vinophile zu Begeisterungsstürmen herleiten lässt! Doch achtung – auch hier gibt es leider immer noch zahlreiche Produzenten, die ihre unsauberen Weine aufgrund mangelndem rigorosen und fundierten Arbeiten unter dem Ausreden-Etikett der „Natürlichkeit“ anbieten. Neugierige haben im FLORE ebenfalls Gelegenheit, die sogenannten "vins oranges" zu probieren, eine jahrtausende alte Tradition georgischen Ursprungs, bei der Weissweine teilweise wochenlang auf der Maische vergärt werden, dadurch ihre unverkennbare, orange Färbung sowie Tannine und ihre unvergleichliche und aussergewöhnliche Aromenvielfalt erhalten! Hier eine kurze Erklärung der verschiedenen in der Karte deklarierten Weinbaumethoden:
bio: Weine von Winzern, die biologisch wirtschaften: keine Kunstdünger und synthetische Spritzmittel (Pestizide und Herbizide), Begrünung der Rebzeilen, ökonomischer Wasserverbrauch, Verwendung von wenig Schwefeldioxyd (Sulfit). biodyn / Demeter: biologisch-dynamischer Weinbau: der Weinberg wird als lebendiger Organismus definiert unter Berücksichtigung bestimmter Tages- und Jahreszeitrhythmen und der Einhaltung eines geschlossenen Kreislaufes; keinerlei Verwendung konventioneller Düngemittel oder von Agrochemie. Sehr reduzierter Einsatz von Schwefel. VinNat: Vin nature / Naturwein: möglichst wenig Interventionen im Rebberg und Keller. Spontanvergärung mit natürlichen Hefen (bei vins oranges auf der Maische), keine Schönung oder Filtrierung, keinerlei Zusatz von Sulfit oder nur in homöopathischen Dosen bei der Abfüllung.