06/11/2014
Da waren sie alle, alle die stets da waren.
Ein bunt verwobener Haufen Menschen, die sich sonst die Klinke in die Hand drückten waren plötzlich alle zusammen anwesend,
in geballtester Form und auch noch allerbestens aufgelegt.
Gäste aus längst vergangenen Sommer Saisonen und sogar ein paar verschollen geglaubte Kellner aus noch vergangeneren Zeiten standen plötzlich auf der Matte, trunken vor Wiedersehensfreude, trunken vom Vorglühen, ein paar Krähenfüße mehr um die schwerer gewordenen Schlupflider und mit dem ein oder anderen Öko-Häppchen-Kilo mehr um die Hüften.
Da waren sie, diese ganzen Menschen mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten, die ich durch kurzes harmloses Geplänkel oder durch längere Gespräche an der Bar kennen lernte oder wenn ich kurz ihre Abgründe und Höhenflüge beim servieren eines Samosatellers am Nebentisch belauschte.
Es gab auch viele Stammgäste mit denen man nie über harmloses Geplänkel hinaus kam, dafür standen genau diese Menschen unter Extra Beobachtung:
Ich hab sie gesehen wenn sie lachen,
wenn sie sich freuten, wenn ein verspäteter Freund endlich auftauchte,
wenn sie gemeinsam über ergreifende Dinge flüsterten und inne hielten wenn jemand vorbei ging.
Im Laufe der Zeit hatte ich die Möglichkeit mehr und mehr ihrer Facetten zu entdecken,
wie sie attraktiv wurden wenn sie ein Erfolgserlebnis erfahren durften und wie sie ein paar Tage später völlig geplättet dreinschauten und lustlos an ihrem in Kichererbsenmehlteig gebackenem Gemüse herum zwickten, weil das Dasein im Moment nur entsetzliches überstehen bedeutete. ..Wenn sie ein intensives Telefonat führten und sich dabei tausendmal für sich selbst entschuldigend nervös auf ihrem Sessel hin und her rutschten,
wenn sie ins Gespräch mit dem Nebentisch kamen und ihre glänzendste Seite hervorkehrten und sich nach und nach zusammenrotteten und sich auf die Belagerung eines gemeinsamen Tisches einigen konnten und die Sympathie kontinuierlich anschwoll und sie sich im selben Zug verlegen geworden, immer kürzer in die Augen schauen konnten.
Oder wenn sie sich an einem Tisch zusammen fanden und die Konversation mit einem Mal zu hinken begann und in gelangweiltes Desinteresse abdriftete, und ich wusste, ich brauch gar nicht fragen ob ich ihnen noch ein Kozel bringen darf, weil beide eigentlich seit längerem nur noch zahlen und abhauen wollten, aber Anstandshalber unangenehm berührt auf ihrem Platz verharrten.
Herzig.
Oder wenn sie in Gruppen zusammen lümmelten, allesamt mit Blau-fränkisch gefärbten Zähnen und sich der eine mehr als der andere gezwungen fühlte seinen individuellen Senf noch expliziter und detailverlorener zu einem Thema einfließen zu lassen, welches im nüchternen Zustand keinen Hund vorm Ofen hervorholt, vor allem, weil das Thema schon vor 150 Jahren verdienter Weise zu Grabe getragen wurde.
Oder, oder, oder...
All die, die ich nur vom ausspionieren kannte, kamen um sich zu verabschieden.
Und viele, viele besser bekannte Gäste & Freunde:
Die stets Männerlose Moderatorin war da, saß in der Auslage und schmatzte wie in "Eis am Stiel - Teil 3" ausladend an ihrem Boy herum.
Auch den einen, bestimmten Über Macho sah ich wieder, ich kannte ihn soweit, dass er manchmal vernichtet an der Bar hockte, jetzt war sein Blick klar(er) und er war mehr als stolz darauf das vegetarische Lokal am letzten Abend, im allerletzten Augenblick doch noch mit einem deftigen 7 Kilo Rindfleisch Gulasch entjungfert zu haben.
Auch der hagere Typ, der aussah wie Jesus, der nie gekreuzigt wurde, stattdessen beim AMS landete, der bei Martina vor einem Jahr ein Curry gewonnen hatte und es sich nun abholen wollte kam zur Feier. Doch es gab kein Curry mehr, worauf er, komplett aus dem Konzept gebracht nur noch im Kreis drehte. Schluss endlich, ganz weit über Mitternacht, sah ich ihn neben dem Gulasch Topf sitzen, endlich und mit den leuchtenden Augen wie ein Straßenkatzi mit verstauchtem Haxerl, welches in der letzten Sekunde von Ute Bock persönlich aufgepäppelt wurde, genoss er seinen wohlverdienten Preis in einer extragroßen Schüssel.
Auch mein liebster, silberhaariger Hausverbot-"Gast" wankte kurz mal zu mir, zum Gruße zeigten wir uns, wie immer, geschwind den Stinkefinger, er ließ mich mit schwerster Zunge wissen, dass ich der Letzte bin, den er heute noch treffen wollte, ich komplimentierte zurück das er dem Leichnam von Tim Curry immer ähnlicher schaue.
Die propere Hummel, die es nicht schaffte für 1 Minute die Lippen übereinander zu legen, entweder sah und hörte ich sie laut lachen oder erwischte sie beim vierten (zu) Wortgewandten Vortrag innerhalb derselben Stunde.
Er, ein stiller Leser und Schreiberling, der stets so wirkte als würden die gemeinen Mitschüler ums Eck mit einem Baseballschläger auf ihn warten. Für mich waren sie immer das veganste und netteste Liebespaar im Arjuna.
Und nun, nach jeder Menge runter gespulter Zeit sah ich sie wieder.
Er, saß plötzlich extra aufrecht da, eine starke Aura umgab ihn, er wirkte kräftiger und sein dünnes Haar war auch wieder britisch röter. Und Sie entschlüpfte ihrem Hummelhintern und wandelte sich zur Wespenkönigin. Der Trick der positiven Wandlung, war die Beendigung der Beziehung.
Die Chorleiterinnen-Feldenkreis-Anführerinnen-Lesbierinnen kamen vorbei,
junge Künstler,
alte Künstler,
Künstler dazwischen,
das fesche und immer bestens gelaunte Winzer Ehepaar,
das fragile Alienmädchen,
der unentwegt Party feiernde italienische Architekten Kobold und die anderen sechs Zwerge kamen vorbei,
der Löcher in die Wand starrende transsylvanische Prinz des Veganismus,
meine Schwester, verfolgt von einem notgeilen Matrosen,
der Wonneproppen vom "Motto" und zwei seiner aus Eis gemeißelten, unmenschlich schönen Model-Kollegen traf ich an der Bar,
auch meine heiß geliebte Bürgermeisterin der Steinergasse, leicht gebrochen vom nicht enden wollenden Umbau ihrer verdammten Wohnung, aber um nix weniger kudernd, war da,
die eine Hübsche mit dem Catwoman-Lidstrich und dem Schandmaul einer Marktschreierin zog mich brutal (aber gut) an den Eiern in ihre Richtung um mich dann zu beschimpfen.
Das kleine, lustige Affenmädchen mit den Rehaugen war da,
ihr Ex, der traumatisierte Tischler nagelte mich mit einem (vielleicht) tiefgründigen Monolog fest, die Sängerin, welche das Antlitz von Romy Schneider und Nina Hagen in ihrem Gesicht vereinte, schwebte auch irgendwann einmal an mir vorbei,
der Star-Filmemacher mit seiner Knappenfrisur,
der Fischverkäufer,
Stefan Zweig
und unsere Kaugummi süchtige Umstandsmodenverkäuferin mit der Hörbuchstimme, samt ihrer Hexe waren da.
Dichter,
Poeten,
Musiker,
Tänzer,
Workshop´er,
Fotografen,
Maler, unterm Strich allesamt Kellner Kollegen, statteten uns einen Besuch ab.
U-Bahn Fahrer,
Frauen,
Männer,
Heterosexuelle,
Homosexuelle,
von der Biologie noch nicht dokumentierte Wesen
und der Manfred
erfreuten sich an den finalen Stunden des Arjunas.
Der brave, blonde Schweizer mit dem kalifornischen Surferboy Grinsen kam vorbei
und sein Bekannter, der Sozialpädagoge, der mich keines Blickes würdigte, seit ich ihn vor ewigen Zeiten am Klo in die Ecke drängte.
Der erschlankte Popschi kam sogar mit Abschiedsgeschenken,
und auf keinen Fall fehlen durfte die wankelmütigste, Vorurteil loseste Frau, die ich je kennenlernen durfte.
Danke Sheila, für Kuchen, selbstgemachte Bountys usw.
Ich könnte die Liste fortsetzen und fortsetzen, aber ich glaube, ich hab die Aufmersamkeitsspanne schon längst überschritten...
Nett war´s.
Auf Wiedersehen!
Euer Arjuna