10/06/2018
Wie die wahren Fans unter euch vielleicht bemerkt haben, ist es in den letzten Wochen ruhiger geworden um diese Fanpage. Tatsächlich wird in Zukunft wohl nur mehr höchstens vereinzelt gepostet, eventuell auch eher in Richtung Pacman-Fanfictions. Doch als Abschied in die „Sommerpause“ dürft ihr noch eine Story lesen, die euch Mut machen soll.
Sömmi of Love:
Die Geschichte dreier Menschen, die sich begegneten, weil sie gerade ihr Leben umkrempeln wollten. Und weil Chicken aus war.
Person 1: Doris Ulm
Doris hatte schon immer ein Fabel für Hühnerfleisch gehabt. Egal ob in der Pause, zu Hause oder zu Weihnachten - mindestens ein herzhafter Chickenburger musste drin sein, denn Chicken war für sie „normal“. Dementsprechend hasserfüllt agierte sie, wenn Chicken einmal aus war. Da konnte es durchaus zu Reibereien mit den Menschen auf der anderen Seite der Theke kommen, doch was an diesem Tage in der Zeitung über sie geschrieben stand, war selbst für sie ein neuer Höhepunkt, der sie gewissermaßen auch mit Stolz belohnte.
„Weil Chicken aus war – Frau (36) zündet Schulbuffet an“, hieß es in der Schlagzeile der NÖN. „Gut so, das wird auch sämtlichen anderen Kantinen des Bezirks eine Lehre sein.“, murmelte sie schmunzelnd vor sich hin, steckte das Blatt in eine Klarsichtfolie und packte es als Erinnerung in ihren Reisekoffer ein.
Person 2: Alejandro de Pollo
Der herangewachsenene, kleine Junge konnte nicht mehr länger zusehen. Auch er hatte eine Vorliebe für die gefiederten Tiere gehabt, jedoch eher als Haustier und nicht als billiger Snack. Sein Vater sah das anders. Nunmehr in der sechsten Generation führte die Familie die Hühnerfarm in der argentinischen Steppe und Alejandro sollte nicht dem Trend, sondern der Tradition folgen und das bescheidene Landgut weiterführen.
So tat der erstgeborene „Ale“ seinen Job als gehorsamer Sohn und Bauernbursche und heuchelte seinen Eltern zuliebe Interesse an der Hühnerzucht. In Wahrheit schmiedete er seit seinem siebten Lebensjahr einen Plan: Regelmäßig stopfte er Geld in das Versteck unter seinem Kopfpolster, um sich irgendwann mit dem Hahn, einigen Hennen und seinem aufgemotzten Mofa aus dem Staub der ruralen Gebiete zu machen und sich ab in die große Stadt zu begeben.
Person 3: Hans Mandl
Wieder einmal drückte Hans eine Stange Dreck aus dem Rücken, nachdem er wieder einmal zu viel gebackenes Chicken verdrückte, weil seine Poperze geknurrt hatte. Am liebsten machte er sich auf dem Klo der HAK Baden gemütlich, da sein eigenes Klosett in einer bescheidenen Ein-Zimmer-Wohnung im Wohnblock neben dem Ökopark ständig verstopft war aufgrund seiner unüblichen Essgewohnheiten.
Leiden durften darunter explizit die Schüler der Handelsakademie, da die Herren-WCs der Schule auch nicht besser gewappnet waren für sein Verdauungssystem. Ihn störte das wenig, während er wie immer den Bezirksboulevard durchblätterte im Laufe seiner Sitzungen. Die heutige Topstory irritierte ihn diesmal aber gewaltig: „Die 36-jährige Doris U. hinterließ am Tatort noch eine Botschaft. In die Theke des Buffets ritzte sie mit mit einem verbrannten Speckstangerl: ‚Wenn die ka Chicken ham, geh i wieda ham.‘“
Hans schreckte zusammen, als er selbst aufstehen wollte und im gleichen Moment die Kabinentür direkt neben ihm aufgestoßen wurde. Da er sowieso fertig und außerdem neugierig war, wer es denn so eilig hatte, seinen Darm zu räumen, verließ Hans sein Stamm-WC, um vor den Urinalen ins stressverzerrte Gesicht der Doris U. zu blicken. Nach einer kurzen Sekunde des Zögerns sprach sie Hans mit Befehlston an: „Sie müssen mir helfen!“
Doris drückte dem schweigend überraschten Hans einen Baseballschläger in die Hand mit den Worten: „Schlag den Seifenspender kaputt und lass die Pissoirs überlaufen, das Heisl muss gesperrt werden.“ Für gewöhnlich verspürte Hans nie den Drang zu Gewalt, doch er dachte nicht daran, dieser reizenden Dame zu widersprechen. Dass diese ihn nur darum bat, damit die sich als nicht hinunterspülbar erwiesenen Corpi delicti des Buffetbrands nicht so schnell entdeckt werden, erklärte Doris Hans nicht, was Hans nicht störte.
Wieder in seinem trauten Heim angekommen, machte er sich Gedanken. Zum einen zerbrach er sich den Kopf über die mysteriöse Klofrau, deren bildhübsches Gesicht ihn zur Kriminalität verführte, zum anderen hatte er ein schlechtes Gewissen gehabt, weil er wusste, dass dutzenden Schülern nun der Zugang zum Stuhlgang erschwert wurde. Schließlich wurde ihm bewusst, dass dies wohl nicht das erste Mal war, dass seine unangemeldeten Besuche des Scheißhauses der HAK Baden Folgen hatte.
Aus diesem Grund informierte er sich im Internet über alternative Ernährungsformen, da sein Magen-Darm-Trakt nicht weiter der Öffentlichkeit zur Last fallen durfte. Auf der Website einer grün angehauchten NGO sprang ihm Werbung für ein internationales Festival in Buenos Aires ins Auge. Dort gäbe es nicht nur Chicken, sondern vor allem Normal, also hochqualitatives, argentinisches Rindfleisch. „Das ist ein Anfang.“, nuschelte Hans sich ins Fäustchen und buchte die Tickets nach Lateinamerika.
Zwar war er dorthin gekommen, um seine Diät umzustellen, doch vom südländischen Flair beflügelt packte ihn die Sehnsucht nach seiner alten Liebe: saftiges Hendl. Zu seinem Glück fand er im Getümmel der Menschenmenge einen Informations- und Verkaufsstand eines umweltfreundlichen Hühnerzüchters. Dieser junge Mann mit Ziegenbart und süßen, schwarzen Löckchen war gerade im Gespräch mit Doris.
Hans war sich sicher gewesen, dass es kein Zufall sein konnte, der Frau seiner Träume am anderen Ende der Welt auf einer Massenveranstaltung wieder zu begegnen. „Bonus tandem!“, grüßte Hans in seinem besten HAK-Spanisch aufgrund der fortgeschrittenen Stunde und um Doris zu imponieren. Die beiden und Verkäufer Alejandro kamen ins Gespräch. Doris beichtete ihre Tat und dass sie, wie jeder anständige österreichische Verbrecher, anschließend nach Südamerika flüchtete.
Ebenso erzählte Alejandro seine Geschichte rund um seinen Dad, den verlassenen Familienbetrieb und seinen Neubeginn als Bio-Bauer. Bloß Hans gestand Doris ihre Liebe nicht. Nun war er der Mysteriöse im Trio. Doris und Ale waren sich bereits bekannt und einig, dass sie die Farm in Zukunft gemeinsam führen wollten. Da Hans in seiner früheren Heimat nichts zu verlieren hatte, willigte er nach einer feuchtfröhlichen Nacht, in der garantiert nicht darüber geschlafen wurde, ein, mit Teil des Teams zu sein.
Das Projekt lief von Anfang an hervorragend. Ein zeitgemäß nachhaltiger Bauernhof sprach die jungen Menschen in der Hauptstadt eben an. Auch privat verstanden sich die Inhaber prächtig. Dass Alejandro eine Freundin hatte, beruhigte Hans in Anbetracht der ständigen Anwesenheit der Frau Ulm/Mandl in spe. Das änderte allerdings zu seiner Unzufriedenheit und Jungfräulichkeit herzlich wenig daran, dass seine wiederkehrenden Annäherungsversuche an seinen Schwarm stets von der unbeeindruckten Dame abprallten. Die hatte nur Augen für den sexy Latino während der Landarbeit in brütender Hitze.
Aus diesem Grund wusste Hans auch schon, was er dann tat, als er das attraktive Pärchen in flagranti im Heuhaufen erwischte. Er tat es Doris gleich, schnipste seine Zigarre, die er nur rauchte, wenn er nervös gewesen war, in das getrocknete Gras und schüttet Rum aus seinem Flachmann, aus dem er noch nie getrunken hatte, auf die entstandene Flamme. Die Hühner ließ er noch fliehen, doch seine ehemaligen Geschäftspartner sperrte er in der mickrigen Holzscheune ein, aus dem nur mehr multilinguales schimpfen und stöhnen zu vernehmen war.
Hier konnte Hans nicht verweilen. Entschlossen betrat er das Hauptgebäude, schnappte sich Geldbörse und Handtasche seiner verbrennenden Kollegen und die bereits gedruckten Boardingpässe für den Flug nach Wien. Da er im Flugzeug nicht kann, hielt er es sich zurück, bis er sich auf seine Lieblingsschüssel in der HAK Baden setzen konnte. Doch aus unvernehmbaren Gründen war die Toilette dort noch immer, oder schon wieder gesperrt.
Hoffe, die kleine Fanfiction hat euch gefallen und ihr habt etwas für euer weiteres Leben mitnehmen können. Es war uns ein Volksfest, diese Seite zu leiten. Lycka till, Gut Kick und Mahlzeit. (red.)