21/09/2018
Das Café Weidinger und seine kuriose Verbindung zum Café Weingartner
Die Nummer 307 unserer Zeitschrift „billard“ liegt vor. Im historischen Teil findet sich wieder ein Wiener Kaffeehaus in Ottakring. Diesmal ist es das Café Weidinger, dessen Eröffnung 1928 sich heuer zum 90. Male jährt.
Es liegt am Lerchenfelder Gürtel, dort, wo der 7., der 15. und der 16. Bezirk aneinandergrenzen, wo sich heute die Wiener Hauptbibliothek und die U6-Station Burggasse-Stadthalle befinden und wo damals noch die dampf- und kohlebetriebene Stadtbahn Otto Wagners ihre Station hatte.
Der Gürtel hat sich in diesen neun Jahrzehnten wieder und wieder gewandelt, zur Verkehrshölle hin und langsam, aber stetig weg davon, zur Rotlichtmeile hin und später zur Kulisse des Niedergangs der legendären Wiener Unterwelt, wie in jüngster Zeit wieder hin zum begehrten Ziel gewinnsuchender Investoren - ganz zu schweigen von den vielen Bemühungen seitens der Politik, hier Einfluss zu nehmen (Madeleine Petrovic, ehemalige Grünenobfrau überhöhte den Gürtel in einem Buch sogar zur Prachtstraße), wie ebenso von den vielen Glücksrittern, die den Gürtel immer mit bevölkerten und auch den diversen berauschenden „Kolonialwaren“, ohne die der Gürtel kaum auszukommen scheint.
Am Café Weidinger sind alle diese Wellen offensichtlich spurlos vorübergegangen. Dies ist eine Beständigkeit nach außen im Erscheinungsbild und nach innen in der Einrichtung, die glücklicherweise auch den Billardtischen das traurige Schicksal erspart hat, aussortiert zu werden. All das hat diesem Kaffeehaus die ihm ganz offenbar hohe Wertschätzung und den Kultstatus erworben und erhalten, den es heute genießt, wofür der Familie Weidinger Dank zu sagen nicht nur in unserem Sinne, sondern gewiss im Sinne aller Freunde der Wiener Kaffeehauskultur liegt!
An dieser Stelle sei verraten, dass das Café Weidinger und das Café Weingartner häufig verwechselt werden, wie es wohl kaum zwei anderen Wiener Kaffeehäusern ergeht. Immer wieder gibt es Verabredungen, wo sich dann die Verwechslung herausstellt und beide zwar pünktlich zum Rendezvous erscheinen, aber nicht am selben Ort. Wir vom Café Weingartner können hier jedenfalls auf eine Unzahl derartiger Fälle durch Jahrzehnte zurückblicken.
So bleibt noch zu erwähnen, dass im Café Weingartner zwei Bilder von Alexander Lamich hängen, welche das Café Weidinger zum Motiv haben, dessen Stammgast der Maler war.